
Im April 2025 wurde im Landkreis Barnim die Bezahlkarte eingeführt. Menschen, die sogenannte „Asylbewerberleistungen“ erhalten, bekommen seitdem fast kein Bargeld mehr und können selbständig keine Verträge abschließen. Seit einem Jahr ist Wirklichkeit, was die Initiative gegen die Bezahlkarte schon vor der Einführung kritisiert hatte: Die betroffenen Menschen werden eingeschränkt und benachteiligt, findet die Initiative, und hat dafür viele Beispiele gesammelt. Seit einem Jahr organisiert sie auch den solidarischen Gutscheintausch. Für Dienstag, den 14.04.26 ist eine Demonstration zum Thema in Eberswalde angekündigt, die um 16 Uhr am Markt starten soll.
„Mit der Bezahlkarte, beschönigend SocialCard genannt, dürfen die betroffenen Menschen nur noch 50 Euro pro Monat in bar verfügen.“, sagt Mascha von der Initiative gegen die Bezahlkarte im Barnim. Eine betroffene Person erklärt: „Ansonsten geht nur Kartenzahlung. Überweisungen? Nur an genehmigte IBANs. Flohmarkt, SecondHand, jemandem Geld schenken? Nicht möglich. Dauerauftrag einrichten? Nicht möglich. Einzugsermächtigung? Nur, wenn die einziehende Stelle schon vom Grundsicherungsamt als Ausnahme hinzugefügt wurde. Das muss man beantragen. Wenn die Firma, z.B. Stromanbieter oder Telefonanbieter, verschiedene Konten nutzt und eines zum Einzug benutzt, das nicht genehmigt ist, scheitert der Einzug und man bekommt Mahnungen und Kündigungsdrohungen.“ Dazu kämen technische Schwierigkeiten mit der App und dem Portal, das ein privater Dienstleister mit schlechtem Service anbiete. Mit den entstehenden Problemen müssten Betroffene, Beratungsstellen, wie auch Sachbearbeiter*innen im Grundsicherungsamt viele Arbeitsstunden verbringen. Mascha fasst die Sicht der Initiative zusammen: „Die sogenannte SocialCard ist zutiefst unsozial und diskriminiert die betroffenen Menschen“.
„Uns würde interessieren, was die ‚Social Card‘ eigentlich den Landkreis kostet, wenn man die Kosten für die Firma, und die Arbeitsstunden für den Verwatungsaufwand berechnet“, ergänzt sie.
Die Intitiative organisiert deshalb konkrete praktische Abhilfe: Genau wie bundesweit sehr viele Initiativen hat sie den Tausch von Gutscheinen initiiert, damit die Betroffenen mehr bares, und damit freier verfügbares Geld bekommen. Das funktioniert so: Menschen kaufen mit Bezahlkarten in bestimmten Läden Einkaufsgutscheine, z.B. im Wert von 50 Euro. Diese bringen sie zum Kartentauschtag (derzeit alle 2 Wochen donnerstags in der Schmatzkammer im Rofinpark) mit und bekommen dort von der Initiative Bargeld. Die Gruppe vermittelt wiederum solidarische Menschen, die die Gutscheine abnehmen, weil sie in den gängigen Ketten sowieso einkaufen wollen. Die „kostet“ es damit nicht mehr – außer sich um den Tausch zu kümmern. Tauschorte dafür sind die Buchhandlung Mysak, das Restaurant Kobamugasmus und der Bioladen Krumme Gurke in Eberswalde. Niemand verdient etwas daran – nur etwas mehr Selbstbestimmung bekommen die von der Bezahlkarte betroffenen Menschen auf diese Weise zurück.
„An manchen Tauschterminen warten viele Menschen schon, wenn wir aufmachen. Zeitweise mussten wir die Tauschmenge auf 50 Euro pro Tag reduzieren, damit unser Tausch-Budget für alle reicht. Einige Menschen kommen von entfernten Orten wie Oderberg oder Angermünde extra zum Tauschen“, berichtet Mascha.
Für Dienstag, den 14.04.2026 ist eine Demo vom Markt durch die Stadt zur Ausländerbehörde in Eberswalde geplant.
Kontakte zu Betroffenen und Aktiven für Interviews vermitteln wir gerne.
Barnim Solidarisch und
Initiative gegen die Bezahlkarte im Barnim
refugees-welcome@so36.net
Spendenkonto:
Barnim Solidarisch
IBAN: DE 78 1705 2000 1110 0262 22
Sparkasse Barnim
(Wir können für Spenden auf dieses Konto keine Spendenbescheinigungen ausstellen.)













